Nigel Farage, der Vorsitzende von Reform UK und Abgeordneter für Clacton, sieht sich weitreichender Kritik ausgesetzt, nachdem er öffentlich einen Straßenprediger unterstützt hat, der Homosexualität als „Abscheulichkeit“ bezeichnet und davor gewarnt hat, dass homosexuelle Menschen die Ewigkeit in der Hölle erwarte. Die Kontroverse entbrannte, nachdem der Stadtrat von Colchester ein Verbot beantragt hatte, um die Predigten von Stephen Clayden, dem Leiter der Bread of Life Church, einzuschränken. Farage nahm ein Video mit Clayden auf, versicherte ihm, er sei „voll und ganz auf Ihrer Seite“, und bot an, Hilfe von der Free Speech Union zu organisieren – ein Schritt, der scharfe Kritik von politischen Gegnern und LGBTQ+-Interessenverbänden hervorrief.
Der Prediger und seine Aussagen
Stephen Claydens Straßenpredigten enthielten aufhetzende Äußerungen über Homosexualität. In einem auf sozialen Medien veröffentlichten Video ist zu hören, wie er sagt: „Alle Ehebrecher, alle Unzüchtigen, alle Sodomiten, alle Trunkenbolde, alle Diebe, alle Gotteslästerer, alle Lügner, alle Spötter. Ihre Heimat wird im Feuersee sein.“ Er sagte auch zu Passanten, dass die Bibel Homosexualität als eine „Abscheulichkeit“ und „niederträchtig, widerlich und böse“ beschreibe.
Claydens Bread of Life Church hatte zuvor Pride-Week-Veranstaltungen in Essex ins Visier genommen, wo er erklärte, Homosexualität sei „eine so böse und verabscheuungswürdige Sünde, dass sie den Tod verdient“. Diese Aussagen wurden von Menschenrechtsorganisationen als homophob und hasserfüllt verurteilt, die argumentieren, dass solche Rhetorik Diskriminierung und Gewalt gegen LGBTQ+-Personen schürt.
Farages Reaktion und die politischen Folgen
Nigel Farage hat Claydens Äußerungen nicht direkt verurteilt. Stattdessen stellte er die Angelegenheit als eine Frage der Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit dar. In dem Video bespricht Farage das Verbot mit Clayden und stellt die Frage, ob das Christentum in Großbritannien eine Wiederbelebung erlebe. Er reagierte nicht auf Anfragen des Guardian um einen Kommentar, und das Video bleibt auf seinem YouTube-Kanal.
Ein Sprecher der Labour Party kritisierte Farage und erklärte: „Immer wieder findet sich Nigel Farage in der Gesellschaft extremistischer Stimmen wieder. Farage hätte diese üblen homophoben Äußerungen anprangern und verurteilen sollen. Stattdessen unterstützt er die Person, die sie verbreitet, damit diese eine größere Plattform hat, um noch mehr davon von sich zu geben.“ Der Sprecher fügte hinzu, dieser Vorfall zeige, „dass Farage und Reform UK für Spaltung stehen und nicht auf der Seite der arbeitenden Menschen sind.“
Meinungsfreiheit vs. Hassrede
Der Fall wirft komplexe Fragen zu den Grenzen der Meinungsfreiheit auf. Während das britische Recht den religiösen Ausdruck schützt, verbietet es auch Reden, die als belästigend oder bedrohlich gegenüber geschützten Gruppen gelten. Der Antrag des Stadtrats von Colchester auf ein Verbot deutet darauf hin, dass Claydens Predigten diese Grenze überschritten haben, insbesondere angesichts der gezielten Angriffe auf LGBTQ+-Personen.
Rechtsexperten weisen darauf hin, dass der britische Public Order Act von 1986 und der Equality Act von 2010 Rahmenbedingungen bieten, um die Meinungsfreiheit mit dem Recht auf ein Leben ohne Belästigung in Einklang zu bringen. In diesem Zusammenhang wird Farages pauschale Unterstützung für Clayden – ohne auf den homophoben Inhalt einzugehen – als stillschweigende Billigung diskriminierender Ansichten angesehen.
Weitreichendere Auswirkungen auf Reform UK
Diese Kontroverse kommt zu einem heiklen Zeitpunkt für Reform UK, die versucht, ihre Anziehungskraft über ihre Anti-Einwanderungs-Basis hinaus zu erweitern. Farages Schulterschluss mit Clayden riskiert, gemäßigte Wähler und LGBTQ+-Unterstützer zu verprellen. Er erinnert auch an frühere Vorfälle, bei denen Farage beschuldigt wurde, sich mit extremistischen Persönlichkeiten zu verbünden, darunter auch mit Personen, die mit rechtsextremen Gruppen in Verbindung stehen.
Politikwissenschaftler vermuten, dass Farages Strategie darin bestehen könnte, seine Kernunterstützung unter sozialkonservativen Christen und Befürwortern der Meinungsfreiheit zu festigen. Dieser Ansatz könnte jedoch nach hinten losgehen, wenn er die Wahrnehmung verstärkt, dass Reform UK eine Partei der Spaltung und nicht der Integration sei.
FAQ
Was genau hat Stephen Clayden über Homosexualität gesagt?
Clayden bezeichnete Homosexualität als eine „Abscheulichkeit“, „niederträchtig, widerlich und böse“ und sagte, dass diejenigen, die sie praktizieren, für den „Feuersee“ bestimmt seien. Er erklärte auch, Homosexualität sei „eine so böse und verabscheuungswürdige Sünde, dass sie den Tod verdient“. Diese Aussagen machte er während Straßenpredigten in Colchester und bei Pride-Week-Veranstaltungen in Essex.
Warum unterstützt Nigel Farage ihn?
Farage hat seine Unterstützung als Verteidigung der Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit dargestellt. Er nahm ein Video mit Clayden auf, nachdem der Stadtrat von Colchester ein Verbot beantragt hatte, um dessen Predigten einzuschränken. Farage bot an, Clayden mit der Free Speech Union zu verbinden, und versicherte ihm, er sei „voll und ganz auf Ihrer Seite“. Farage hat sich nicht zu den spezifischen homophoben Inhalten von Claydens Predigten geäußert.
Welche rechtlichen Schritte werden gegen Clayden unternommen?
Der Stadtrat von Colchester hat einen Antrag auf ein Verbot nach dem Public Order Act gestellt, um Claydens Straßenpredigten einzuschränken. Der Stadtrat verwies auf Bedenken hinsichtlich der Lautstärke seiner Predigten und des Inhalts seiner Botschaften, einschließlich seiner Warnungen vor Homosexualität. Der Fall soll vor Gericht verhandelt werden, wo ein Richter entscheiden wird, ob die Einschränkungen gerechtfertigt sind.
