Die einst unerschütterliche Allianz zwischen dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump zeigt Anzeichen schwerer Belastungen. Trotz Netanjahus öffentlicher Beteuerung einer vollen Koordination mit Trump deuten Berichte der israelischen Inlandspresse auf eine wachsende Kluft im anhaltenden Iran-Konflikt hin. Beobachter stehen den Behauptungen des Premierministers skeptisch gegenüber, und viele interpretieren seine wiederholten Versicherungen als Zeichen dafür, dass das Verhältnis weitaus schlechter ist als öffentlich zugegeben.
Die Politikberaterin Dahlia Scheindlin merkte an, dass Netanjahus übermäßiges Lob für die Partnerschaft Alarmglocken schrillen lässt. „Er redet so viel darüber, wie großartig die Beziehung ist, dass es mich eher besorgt macht, wie viel Spannung herrscht“, sagte sie. Diese Einschätzung wird von unabhängigen Medien geteilt, die berichten, dass Israel bei wichtigen Entscheidungen zum Iran-Konflikt oder den von Pakistan vermittelten Friedensgesprächen nicht mehr konsultiert wird.
Das Zerbrechen einer strategischen Partnerschaft
Netanjahu und Trump sind seit langem politische Spiegelbilder, die beide populistische Taktiken nutzen, um ihre Macht zu festigen und gleichzeitig verfassungsrechtliche Normen auszuhöhlen. Ihre Verbindung wurde am 28. Februar besiegelt, als ein verheerender US-amerikanisch-israelischer Angriff auf Iran die Golfregion zum Stillstand brachte. Seitdem haben beide Führer ihr politisches Schicksal an den Ausgang des Krieges geknüpft, was es für beide nahezu unmöglich macht, sich von dessen Erbe zu distanzieren.
Netanjahu drängte US-Präsidenten jahrzehntelang, sich Israel in einem Krieg gegen den Iran anzuschließen. Er ging sogar so weit, sich in die US-Innenpolitik einzumischen, insbesondere bei der Untergrabung des Atomabkommens mit dem Iran von 2015, einem Vorzeigeerfolg der Obama-Regierung. Netanjahu überredete Trump erfolgreich, 2018 aus dem Abkommen auszusteigen, was dazu führte, dass der Iran sein Atomprogramm hochfuhr und genug hochangereichertes Uran für ein Dutzend Atomsprengköpfe anhäufte.
Wie Venezuela den Weg für den Krieg ebnete
Im Februar, so umfangreiche US-Presseberichte, spielte Netanjahu eine entscheidende Rolle dabei, Trump davon zu überzeugen, dass Krieg die einzig gangbare Lösung für die iranische Bedrohung sei. Der israelische Führer stieß bei einer bereits offenen Tür. Nur einen Monat zuvor hatten US-Streitkräfte eine atemberaubende Razzia in Caracas durchgeführt und den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro abtransportiert. Der frühere israelische Diplomat Alon Pinkas erläuterte die Strategie: „Netanjahu, der Betrüger, der er ist, nutzte Venezuela als Beispiel. Er sagte zu ihm: ‚Sieh, was du in Venezuela getan hast. Es war schmerzlos. Es war mühelos. Es war wunderschön. Du hast das Regime geändert.‘“
Netanjahu bombardierte Trump daraufhin mit Geheimdienstdaten, die zeigten, dass der Iran seine Raketenproduktion und Abschussfähigkeiten ausgebaut hatte, und stellte einen Angriff als sowohl notwendig als auch leicht gewinnbar dar. Diese Manipulation von Geheimdienstinformationen und politischem Druck hat sich als Bumerang erwiesen, da der Konflikt nun ohne klares Ende in Sicht andauert.
Schlüsselfaktoren für die Spannungen
- Mangelnde Konsultation: Israel wurde von der Entscheidungsfindung bezüglich des Iran und der Friedensgespräche mit Pakistan ausgeschlossen.
- Öffentliche Skepsis: Netanjahus wiederholte Behauptungen einer Koordination stoßen in der Öffentlichkeit und Presse auf weit verbreiteten Unglauben.
- Strategische Fehleinschätzung: Der Krieg hat seine ursprünglichen Ziele nicht erreicht, was beide Führer anfällig für politische Konsequenzen macht.
- Innerstaatlicher Druck: Beide Führer sehen sich wachsender innerstaatlicher Kritik an den menschlichen und wirtschaftlichen Kosten des Konflikts ausgesetzt.
Was dies für die US-israelischen Beziehungen bedeutet
Die Spannungen verdeutlichen einen grundlegenden Wandel in der Dynamik zwischen den USA und Israel. Während das Bündnis in der Öffentlichkeit stark bleibt, untergräbt die Reibung hinter den Kulissen das Vertrauen. Netanjahus langfristige Strategie, Trump an Israels Sicherheitsagenda zu binden, mag kurzfristig funktioniert haben, hat aber beide Führer in einem Konflikt ohne einfachen Ausweg gefangen.
Da der Krieg weiterhin schlecht verläuft, bleibt die Frage, ob einer der Führer seine politische Zukunft retten kann. Das Bündnis, das einst unzerbrechlich schien, zeigt nun tiefe Risse, wobei beide Führer sich „gegenseitig ziemlich übel mitgespielt haben“, wie ein Analyst es ausdrückte. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Partnerschaft die Folgen ihres gemeinsamen Glücksspiels im Iran überleben kann.
FAQ: Netanjahu-Trump-Allianz und der Iran-Konflikt
Warum entstehen Spannungen zwischen Netanjahu und Trump?
Spannungen entstehen, weil Israel Berichten zufolge von wichtigen Entscheidungen zum Iran-Konflikt und den Friedensgesprächen ausgeschlossen wurde. Netanjahus öffentliche Behauptungen einer vollen Koordination werden als Deckmantel für ein sich verschlechterndes Verhältnis angesehen, wobei beide Führer politische Risiken durch den anhaltenden Krieg tragen.
Wie beeinflusste Netanjahu Trumps Entscheidung, den Iran anzugreifen?
Netanjahu nutzte die erfolgreiche US-Razzia in Venezuela als Beispiel und überzeugte Trump, dass ein Angriff auf den Iran schmerzlos und effektiv sein würde. Er legte auch Geheimdienstdaten vor, die Irans erweiterte Raketenfähigkeiten zeigten, und drängte Trump in den Krieg als einzige Lösung.
Was sind die Folgen des US-israelischen Angriffs auf den Iran?
Der Angriff hat die Golfregion zum Stillstand gebracht, seine ursprünglichen Ziele nicht erreicht und beide Führer politisch verwundbar gemacht. Er hat auch zu einer Hochskalierung des iranischen Atomprogramms geführt und das Misstrauen zwischen den USA und ihren Verbündeten im Nahen Osten vertieft.
