Die Biennale di Venezia 2026, eines der renommiertesten Kunstevents der Welt, wird von Protesten und Schließungen erschüttert, nachdem mehrere nationale Pavillons aus Protest gegen die Teilnahme Israels geschlossen wurden. Organisiert von der Art Not Genocide Alliance (Anga), zielte der Streik darauf ab, Druck auf die Biennale auszuüben, Israel aufgrund des anhaltenden Krieges in Gaza auszuschließen. Am letzten Tag der Pressevorschau schlossen rund ein Dutzend Pavillons entweder vollständig oder teilweise, was bei Besuchern und Künstlern gleichermaßen für Verwirrung sorgte.
Der Protest ist der jüngste in einer Reihe von Störungen bei der diesjährigen Biennale, die zu einem Brennpunkt geopolitischer Spannungen geworden ist. Der israelische Pavillon selbst war am Morgen für eine private Veranstaltung geschlossen, während andere Pavillons Schilder mit der Aufschrift „Palästina ist die Zukunft der Welt“ und „Wir stehen an der Seite Palästinas“ zeigten. Diese Welle des Aktivismus unterstreicht, wie Kunstinstitutionen zunehmend als Plattformen für politische Aussagen genutzt werden.
Welche Pavillons betroffen waren
Der Streik umfasste eine Mischung aus vollständigen und teilweisen Schließungen. Die belgischen, niederländischen, österreichischen, japanischen, mazedonischen und koreanischen Pavillons blieben den ganzen Tag geschlossen. Der österreichische Pavillon, der eine herausragende Installation zeigte, gehörte zu denen, die nicht wieder öffneten. Andere Pavillons, darunter die britischen, spanischen, französischen, ägyptischen, finnischen und luxemburgischen Beiträge, öffneten entweder verspätet, schlossen früher oder öffneten wieder, nachdem zusätzliches Personal gefunden wurde.
Besucher der Giardini am Freitagmorgen fanden den britischen Pavillon verschlossen vor, mit einem Schild, das auf einen Streik italienischer Kulturschaffender hinwies. Er öffnete später wieder, nachdem zusätzliches Personal bereitgestellt worden war. Der israelische Pavillon war ebenfalls vorübergehend geschlossen, jedoch für eine private Veranstaltung, nicht für den Protest. Dieses Flickwerk an Schließungen sorgte für ein verwirrendes Erlebnis für die Tausenden von Besuchern der Vorschau.
Breitere Proteste auf der Biennale
Der israelbezogene Streik ist nicht die einzige Kontroverse bei der diesjährigen Biennale. Anfang der Woche wurde der russische Pavillon zur Schließung gezwungen, nachdem Aktivisten von Pussy Riot einen Protest gegen die Teilnahme Russlands inszeniert hatten. Darüber hinaus trat die Golden-Lion-Jury geschlossen vor der Veranstaltung zurück und erklärte, sie werde keine Beiträge von Ländern berücksichtigen, deren Führungspersonen internationalen Haftbefehlen unterliegen – was Russland und Israel faktisch von der Berücksichtigung ausschloss.
Die britische Regierung weigerte sich zudem, einen Minister zur Eröffnung des britischen Pavillons zu entsenden, mit Verweis auf die Anwesenheit Russlands. Diese Aktionen spiegeln historische Proteste auf der Biennale wider, wie die Studentenbesetzungen von 1968, die zur Absage der Preisverleihung führten, und die Proteste der Kommunistischen Partei Venedigs von 1970, die erneut die Preise aussetzten. Die aktuelle Welle des Aktivismus deutet darauf hin, dass die Biennale weiterhin eine starke Bühne für politischen Ausdruck bleibt.
Künstler und Ausstellungen schließen sich der Bewegung an
Über die Pavillonschließungen hinaus zeigten einzelne Künstler in der Hauptausstellung mit dem Titel „In Minor Keys“ Solidarität, indem sie palästinensische Bezüge in ihre Arbeiten einfließen ließen. Beispielsweise hängte die Künstlerin Tabita Rezaire palästinensische Flaggen in ihrer Installation auf. Mehrere Pavillons zeigten auch Poster mit propalästinensischen Botschaften. Dieses basisdemokratische Engagement unterstreicht, wie die Kunstwelt zunehmend über den Israel-Gaza-Konflikt polarisiert ist.
Die Proteste haben eine Debatte über die Rolle internationaler Kunstveranstaltungen in geopolitischen Konflikten ausgelöst. Während einige argumentieren, dass Kunst unpolitisch bleiben sollte, behaupten andere, dass Kulturinstitutionen eine Verantwortung haben, Stellung zu beziehen. Die Organisatoren der Biennale haben noch keine formelle Antwort auf den Streik gegeben, was die Zukunft der Teilnahme Israels ungewiss lässt.
FAQ
Warum wurden die Pavillons auf der Biennale di Venezia geschlossen?
Die Schließungen waren Teil eines Streiks, der von der Art Not Genocide Alliance (Anga) organisiert wurde, um gegen die Teilnahme Israels an der Biennale aufgrund des Krieges in Gaza zu protestieren. Etwa ein Dutzend Pavillons beteiligten sich, einige schlossen für den ganzen Tag, andere für einige Stunden.
Welche Länderpavillons waren betroffen?
Die belgischen, niederländischen, österreichischen, japanischen, mazedonischen und koreanischen Pavillons waren den ganzen Tag geschlossen. Die britischen, spanischen, französischen, ägyptischen, finnischen und luxemburgischen Pavillons hatten teilweise Schließungen, öffneten verspätet oder schlossen früher.
Gab es schon früher Proteste auf der Biennale di Venezia?
Ja, die Biennale hat eine Geschichte politischer Proteste. Im Jahr 1968 besetzten Studenten Pavillons, um Reformen zu fordern, was zur Absage der Preisverleihung führte. Im Jahr 1970 inszenierte die Kommunistische Partei Venedigs Proteste, die erneut die Preisverleihung aussetzten. Die aktuellen Proteste setzen diese Tradition des Aktivismus bei der Veranstaltung fort.
