Nach mehr als einem Jahrzehnt globaler Konsultationen wurde das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) – eine Erkrankung, von der jede achte Frau betroffen ist – offiziell umbenannt. Die hormonelle Störung, von der weltweit schätzungsweise 170 Millionen Frauen betroffen sind, wird künftig als polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) bezeichnet. Die Namensänderung wurde in The Lancet veröffentlicht und auf dem Europäischen Kongress für Endokrinologie in Prag bekannt gegeben – ein historischer Wandel im Verständnis und in der Behandlung dieser komplexen Erkrankung.
Die Umbenennung wurde von der Endokrinologin Prof. Helena Teede, Direktorin des Monash Centre for Health Research & Implementation in Melbourne, vorangetrieben. Zu lange, so Experten wie Teede, habe der irreführende Begriff „polyzystisch“ in PCOS zu verzögerten Diagnosen und unzureichender medizinischer Versorgung geführt. Der neue Name PMOS soll die komplexe Natur der Erkrankung besser widerspiegeln – die nicht nur das Fortpflanzungssystem, sondern auch den Stoffwechsel und das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrifft.
Warum die Namensänderung wichtig ist
Der Begriff „polyzystisch“ sorgt seit Jahrzehnten für Verwirrung. Viele Frauen, bei denen PCOS diagnostiziert wurde, haben tatsächlich keine Zysten an den Eierstöcken. Stattdessen zeigen sich im Ultraschall Eizellen in einer Entwicklungshemmung, keine echten Ovarialzysten, die sich vergrößern, bluten oder operiert werden müssen. Prof. Teede betont, dass „es bei PCOS keine abnormalen Zysten gibt“.
Diese Fehlbezeichnung führte zu verzögerten Diagnosen und unzureichender Versorgung. Patientinnen wie Maddy Mavrikis, bei der die Diagnose im Alter von 15 Jahren gestellt wurde, wurde gesagt, sie könne niemals Kinder bekommen – eine Aussage, die sich später als falsch herausstellte. Mavrikis hatte nie Eierstockzysten, doch ihr Arzt bestand darauf, dass sie diese irgendwann entwickeln würde. Ihre Mutter, eine Pathologin, stellte den Namen sofort infrage und erkannte, dass die Erkrankung eher hormonell als ovariell bedingt war.
Was PMOS tatsächlich ist
PMOS ist eine breite endokrine und metabolische Störung. Ihre Auswirkungen auf den Körper sind „praktisch alle endokrin – hormonell“, sagt Prof. Teede. Die Erkrankung umfasst:
- Hormonelle Ungleichgewichte: Überschüssige Androgene (männliche Geschlechtshormone), die zu Symptomen wie Akne, übermäßigem Haarwuchs und unregelmäßigen Perioden führen.
- Insulinresistenz: Betrifft etwa 85 % der Frauen mit PMOS und erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes.
- Stoffwechselprobleme: Höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit und metabolisches Syndrom.
- Fortpflanzungsprobleme: Unregelmäßiger Eisprung kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, aber viele Frauen mit PMOS können bei richtiger Behandlung schwanger werden und bekommen Kinder.
Wie dieser neue Name Patientinnen stärkt
Jahrzehntelang lenkte der Begriff PCOS die Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Eierstöcke, was viele Frauen glauben ließ, ihre Erkrankung sei rein reproduktiver Natur. Der neue Name PMOS erkennt das gesamte Spektrum der Störung an. Dieser Wandel wird voraussichtlich die Diagnoseraten verbessern und eine umfassendere Versorgung fördern, einschließlich Stoffwechselscreenings und Risikobewertung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
„Der neue Name entfernt sich von der falschen Fokussierung auf Zysten … und erkennt an, dass dies eine viel breitere Erkrankung ist“, erklärt Teede. Patientinnen wie Mavrikis fühlen sich bestätigt. „Ich hatte nie – und habe immer noch keine – Zysten an meinen Eierstöcken, daher habe ich nie wirklich verstanden, warum bei mir ‚polyzystische Eierstöcke‘ diagnostiziert wurden“, sagt sie. Die Namensänderung bringt die medizinische Terminologie endlich mit ihrer gelebten Erfahrung in Einklang.
Globale Zusammenarbeit hinter der Änderung
Die Umbenennung war das Ergebnis 14-jähriger Zusammenarbeit zwischen internationalen Gesellschaften und Patientengruppen auf sechs Kontinenten. Diese beispiellose globale Anstrengung wurde von Experten der Endokrinologie, Gynäkologie und Patientenvertretung geleitet. Die Ankündigung auf dem Europäischen Kongress für Endokrinologie in Prag unterstreicht den wissenschaftlichen Konsens hinter dem Wandel.
Indem die medizinische Gemeinschaft die Stimmen der Patientinnen wertschätzt und ihr Feedback einbezieht, hat sie einen bedeutenden Schritt zur Entstigmatisierung der Erkrankung und zur Verbesserung der Gesundheitsergebnisse für Millionen von Frauen weltweit unternommen.
Häufig gestellte Fragen zu PMOS
Was ist der Unterschied zwischen PCOS und PMOS?
PCOS (polyzystisches Ovarialsyndrom) wurde in PMOS (polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom) umbenannt. Der neue Name spiegelt die hormonellen und metabolischen Aspekte der Erkrankung besser wider und rückt von der irreführenden Fokussierung auf Eierstockzysten ab. Die Diagnosekriterien und die Behandlung bleiben gleich, aber die Namensänderung zielt darauf ab, das Verständnis zu verbessern und Fehldiagnosen zu reduzieren.
Wird meine bestehende Diagnose automatisch geändert?
Nein, Ihre Diagnose wird nicht automatisch geändert. Die Namensänderung ist eine medizinische und wissenschaftliche Aktualisierung, keine regulatorische. Gesundheitsdienstleister werden jedoch ermutigt, die neue Terminologie in ihrer Praxis zu übernehmen. Wenn Sie PCOS haben, können Sie den neuen Namen mit Ihrem Arzt besprechen und verstehen, wie er Ihre Erkrankung besser beschreibt.
Hat die Namensänderung Auswirkungen auf die Behandlungsmöglichkeiten?
Nein, die Behandlungsmöglichkeiten bleiben gleich. Die Behandlung von PMOS konzentriert sich auf Hormonregulierung, Insulinresistenz (oft mit Metformin), Lebensstiländerungen und bei Bedarf Fruchtbarkeitsunterstützung. Der neue Name bietet lediglich einen genaueren Rahmen, um die Erkrankung zu verstehen und für eine umfassende Versorgung einzutreten.
