Die bloße Vorstellung, dass die US-amerikanische Herren-Nationalmannschaft mit einer realistischen Chance auf ein tiefes Turnier in diese Weltmeisterschaft geht, stellt so etwas wie ein sportliches Wunder dar. Nachdem die USMNT bei der Weltmeisterschaft 1930 den dritten Platz belegte – als eines von nur 13 teilnehmenden Teams – verschwand sie für sechs Jahrzehnte praktisch von der globalen Fußballbühne. Der Weg von der Bedeutungslosigkeit zum ernsthaften Anwärter ist eine Geschichte von Widerstandskraft, Chaos und letztendlichem Triumph.
Der Autor verbrachte mehr als drei Jahre mit Recherche und Schreiben von The Long Game: U.S. Men's Soccer and its Four-Decade Journey to the Top, or Thereabouts. Das Buch schildert, wie sich ein Programm, das in WM-Qualifikationsspielen gegen Mexiko mit insgesamt 20:3 unterging, in eine Mannschaft verwandelte, die konstant die K.o.-Runden erreichen kann. Dies ist die unerzählte Geschichte des unwahrscheinlichsten Aufstiegs des amerikanischen Fußballs.
Die dunklen Jahrzehnte: 1950er bis 1980er Jahre
Zwischen 1954 und 1958 verlor die USMNT alle vier WM-Qualifikationsspiele gegen Mexiko mit einem Gesamtergebnis von 20:3. Zudem erlitt sie eine 8:3-Niederlage gegen eine kanadische Mannschaft, die seit 30 Jahren kein offizielles Spiel bestritten hatte. Ein ganzes Jahrzehnt lang, in den 1950er und 1960er Jahren, blieben die Amerikaner elf Jahre lang ohne einen einzigen Sieg.
Die Desorganisation war erschütternd. Das Team spielte einmal ohne richtigen Trainer und hatte ein anderes Mal zwei Trainer, von denen jeder glaubte, das Sagen zu haben. Vor einem WM-Qualifikationsspiel 1974 musste die USA einen Zuschauer aus den Rängen holen, um überhaupt elf Spieler aufbieten zu können. Spieler lehnten regelmäßig Nominierungen ab, unbeeindruckt von den 5-Dollar-Tagegeldern und dem organisatorischen Chaos.
Das Team America-Desaster
1983 meldete ein bankrottes und desorganisiertes US-Fußballverband die USMNT als Team America in der zerfallenden North American Soccer League an. Mehrere Top-Nationalspieler weigerten sich, für dieses bizarre Experiment ihre Vereine zu verlassen. Team America landete abgeschlagen auf dem letzten Platz der Liga und erzielte mit Abstand die wenigsten Tore. Die Franchise wurde nach einer einzigen, demütigenden Saison aufgelöst.
Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass die Yanks den Rückstand auf die Fußballnationen, in denen der Sport nie aufhörte, sich weiterzuentwickeln, aufholen konnten. Die Wende erforderte systemische Veränderungen in der Spielerentwicklung, im Training und in der Verwaltungsstruktur.
Der Wendepunkt: Rückkehr zur WM 1990
1990 war die USMNT nach 40-jähriger Abwesenheit wieder auf der Weltbühne. Das Team qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft in Italien und markierte damit den Beginn einer neuen Ära. Innerhalb von 12 Jahren erreichten sie 2002 fast das Halbfinale, scheiterten jedoch in einem umstrittenen Viertelfinale an Deutschland.
Das Programm entwickelte sich in nur drei Jahrzehnten von der stümperhaften Team America-Katastrophe zu einer Mannschaft, die konstant die K.o.-Runden der Weltmeisterschaft erreicht. Diese Verwandlung geschah in einer Nation, in der andere Sportarten – Football, Basketball, Baseball – härter um sportliche Talente konkurrieren als irgendwo sonst auf der Erde.
Wichtige Meilensteine in der USMNT-Geschichte
- 1930: Dritter Platz bei der ersten Weltmeisterschaft
- 1950: Verblüffender 1:0-Sieg gegen England in der Gruppenphase
- 1990: Erste WM-Teilnahme seit 40 Jahren
- 2002: Einzug ins Viertelfinale, knappe Niederlage gegen Deutschland
- 2010: Gruppensieg nach Sieg gegen Algerien
- 2022: Achtelfinale in Katar
Was der langfristige Blick offenbart
Die alltäglichen Höhen und Tiefen beim Verfolgen eines Teams zu erleben – die mitreißenden Herbstläufe und die enttäuschenden Frühjahre – ist Teil des Spaßes. Aber die langfristige Perspektive offenbart eine andere Sichtweise. Die Reise der USMNT dreht sich nicht nur um Fußball; es geht um organisatorische Beharrlichkeit, Talentidentifikation und die Kraft schrittweiser Verbesserung.
Der Autor stellt fest, dass das Team im vierten Jahrzehnt dieser Reise möglicherweise einen Kader aufgebaut hat, der zu mehr fähig ist, als nur die K.o.-Runden zu erreichen. Die aktuelle Spielergeneration profitiert von professionellen Akademien, Erfahrungen in europäischen Vereinen und einem Verband, der endlich versteht, was nötig ist, um auf höchstem Niveau zu konkurrieren.
FAQ: USMNT-Geschichte und das Buch The Long Game
Was ist die Hauptthese des Buches The Long Game?
Das Buch argumentiert, dass der Aufstieg der USMNT von völliger Bedeutungslosigkeit zum WM-Anwärter ein sportliches Wunder ist, das trotz systemischer Desorganisation, fehlender Finanzierung und Konkurrenz durch andere Sportarten erreicht wurde. Es brauchte vier Jahrzehnte der Beharrlichkeit, um ein Programm aufzubauen, das heute mit den globalen Fußballmächten mithalten kann.
Wie gelang der USMNT endlich die Wende?
Die Wende begann mit der WM-Qualifikation 1990 und beschleunigte sich durch die 1994 in den USA ausgetragene Weltmeisterschaft. Die Gründung der Major League Soccer im Jahr 1996 schuf eine professionelle heimische Liga, während verstärkte Investitionen in Jugendakademien und Trainerausbildung die Spielerentwicklung schrittweise verbesserten.
Was war der Tiefpunkt in der USMNT-Geschichte?
Die meisten Historiker verweisen auf das Team America-Desaster von 1983 und die elfjährige Sieglosserie in den 1950er und 1960er Jahren. Die 8:3-Niederlage gegen eine kanadische Mannschaft, die seit drei Jahrzehnten kein offizielles Spiel bestritten hatte, bleibt eines der peinlichsten Ergebnisse in der internationalen Fußballgeschichte.
