Lotus, der ikonische britische Luxus-Sportwagenhersteller, der sich nun in chinesischem Besitz befindet, hat sich dazu verpflichtet, sein historisches Werk in Norfolk am Laufen zu halten – doch der CEO fordert stärkere staatliche Unterstützung. In einer strategischen Neuausrichtung, die durch US-Zölle und veränderte Verbrauchernachfrage vorangetrieben wird, plant Lotus, die Lebensdauer seines benzinbetriebenen Modells Emira zu verlängern und neue Hybridfahrzeuge zu entwickeln, während die britischen Fertigungswurzeln erhalten bleiben.
Lotus setzt verstärkt auf Fertigung in Großbritannien
Lotus-Chef Qingfeng Feng hat bestätigt, dass das Unternehmen beabsichtigt, sein Werk in Hethel, Norfolk, zu erhalten und auszubauen, in dem derzeit rund 900 Mitarbeiter beschäftigt sind. In einer Rede über einen Dolmetscher auf einer Konferenz der Financial Times erklärte Feng: „Wir wollen das Werk definitiv am Laufen halten, und wir wollen es definitiv verbessern und ausbauen.“
Die Anlage in Norfolk, die sich auf einem ehemaligen RAF-Stützpunkt befindet, produziert derzeit etwa 2.000 Autos pro Jahr, hat aber eine Kapazität von bis zu 10.000 Fahrzeugen. Das Unternehmen hat bereits stark in den Standort investiert, was ihn zum bevorzugten Standort für die Bedienung des lukrativen US-Marktes macht.
Der Zollvorteil
Einer der Hauptgründe für das Bekenntnis von Lotus zu Großbritannien ist das günstige Zollabkommen zwischen den USA und Großbritannien. Die beiden Länder einigten sich darauf, die Zölle auf 100.000 britische Autoexporte auf nur 10 % zu begrenzen – ein Niveau, das Feng als „tragbar“ bezeichnete. Im Gegensatz dazu sehen sich in China hergestellte Autos mit prohibitiven Zöllen konfrontiert, die sie effektiv vom US-Markt ausschließen.
Fast zwei Drittel der Lotus-Verkäufe entfallen mittlerweile auf die USA, was das Werk in Norfolk strategisch entscheidend macht, um die amerikanische Nachfrage ohne die Belastung durch hohe Importsteuern zu bedienen.
Strategische Neuausrichtung: Hybride und verlängerte Benzinproduktion
Lotus hatte zuvor versprochen, vollständig auf Elektrofahrzeuge umzusteigen, doch die langsame Einführung von Elektroautos hat eine „Strategie-Neuausrichtung“ erzwungen. Das Unternehmen plant nun:
- Die Verlängerung der Produktion des 80.000 £ teuren Emira Benzin-Sportwagens, um weiterhin US-Käufer zu bedienen
- Die Einführung neuer, in China hergestellter Hybrid-SUVs in Europa
- Die Entwicklung eines neuen Hybrid-V8-Benzin-Supersportwagens, des Type 135
Dies stellt eine deutliche Abkehr von dem früheren reinen Elektroversprechen dar und spiegelt die breiteren Herausforderungen der Branche wider, in der die EV-Verkäufe hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind.
Staatliche Unterstützung: Mehr als nur Subventionen
Feng betonte, dass die Gespräche mit der britischen Regierung über finanzielle Subventionen hinausgehen. Das Unternehmen strebt Verbesserungen der Infrastruktur rund um das Werk in Norfolk an, darunter bessere Verkehrsanbindungen und Unterstützung für die Lieferkette. „Wir führen aktive Gespräche mit der Regierung, und es geht nicht nur um finanzielle Subventionen“, sagte er.
Der Ruf nach Unterstützung kommt vor dem Hintergrund breiterer Bedenken hinsichtlich der Zukunft der britischen Automobilindustrie. Lotus strich im August 2025 550 Stellen, und die chinesische Muttergesellschaft Geely – im Besitz des Milliardärs Li Shufu – musste sich einer finanziellen Umstrukturierung unterziehen, nachdem sie sich bei mehreren europäischen Marken übernommen hatte.
Tradition trifft auf globale Ambitionen
Lotus, 1948 vom Ingenieur Colin Chapman gegründet, ist seit langem ein Synonym für leichte, wendige Sportwagen. Geely übernahm 2017 die Mehrheitsbeteiligung und fügte Lotus einem Portfolio hinzu, das Beteiligungen an Aston Martin, Mercedes-Benz, Volvo, Polestar und der London Electric Vehicle Company umfasst.
Trotz des chinesischen Besitzes betonte Feng die Wahrung der Markenidentität: „Lotus wurde in Großbritannien geboren, und wir werden es dabei belassen.“ Das Unternehmen führt jedoch noch Machbarkeitsstudien durch, ob zukünftige Modelle wie der Type 135 in Großbritannien gebaut werden sollen.
FAQ: Lotus-Werk in Norfolk und staatliche Unterstützung
Warum hält Lotus sein Werk in Norfolk offen?
Lotus hält das Werk in Norfolk hauptsächlich offen, um den US-Markt zu bedienen, auf den fast zwei Drittel des Umsatzes entfallen. Ein günstiges Zollabkommen zwischen den USA und Großbritannien macht in Großbritannien gebaute Autos wettbewerbsfähiger als in China hergestellte Alternativen.
Welche Art von staatlicher Unterstützung fordert Lotus?
Lotus-CEO Qingfeng Feng hat sowohl finanzielle Subventionen als auch Infrastrukturverbesserungen rund um das Werk in Hethel gefordert, darunter bessere Verkehrsanbindungen und Unterstützung für die Lieferkette, um dem Werk zu helfen, zu wachsen und effizienter zu arbeiten.
Wird Lotus weiterhin Elektroautos produzieren?
Obwohl Lotus sich zuvor zu einer rein elektrischen Zukunft bekannt hatte, hat das Unternehmen nun auf eine Hybridstrategie umgeschwenkt. Das Unternehmen plant, Hybrid-SUVs und einen neuen Hybrid-V8-Supersportwagen zu produzieren, parallel zur verlängerten Produktion des benzinbetriebenen Emira.
