Die langfristigen Kreditkosten des Vereinigten Königreichs sind von einem 28-Jahres-Hoch leicht gesunken, nachdem Verbündete von Premierminister Keir Starmer ihre Unterstützung öffentlich bekräftigt haben. Dieser Schritt verschafft der Regierung, die mit steigenden Anleiherenditen und Marktinstabilität zu kämpfen hat, eine vorübergehende Atempause. Der Rückgang der Renditen signalisiert vorsichtigen Optimismus unter den Anlegern, auch wenn die gesamtwirtschaftliche Lage weiterhin von Herausforderungen geprägt ist.
Die Rendite 10-jähriger britischer Staatsanleihen (Gilts), ein wichtiger Maßstab für die Kreditkosten der Regierung, war aufgrund von Befürchtungen über politische Unsicherheit und anhaltende Inflation auf ein seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr gesehenes Niveau gestiegen. Nach Aussagen hochrangiger Labour-Vertreter, die den Premierminister unterstützten, gaben die Renditen jedoch leicht nach, was dem Finanzministerium etwas Luft verschafft. Analysten von UniCredit warnen, dass das Pfund weiterhin "neuen Verkaufswellen ausgesetzt sein könnte", falls sich die politische Krise weiter verschärft.
Politische Stabilität als Anker für den Markt
Anleger haben Berechenbarkeit schon immer geschätzt, und die derzeitigen politischen Turbulenzen in Westminster haben das Vertrauen erschüttert. Eine Quelle bei einer großen City-Bank betonte, dass die Geschäfts- und Bankenwelt Stabilität brauche, und wies darauf hin, dass die Wachstumspläne von Finanzministerin Rachel Reeves "recht positive Signale aus der City" erhalten hätten. Jede Störung dieser Pläne, so die Quelle, wäre "schädlich" für die wirtschaftliche Erholung des Vereinigten Königreichs.
Das Gespenst eines weiteren chaotischen Führungswettbewerbs ist besonders unerwünscht. Wie die Quelle es formulierte: "Wir wollen nicht sehen, was wir mit der vorherigen [Tory]-Regierung erlebt haben", womit sie auf das ständige Kommen und Gehen von Premierministern anspielte, das die Märkte im Jahr 2022 verunsicherte. Für Unternehmen, die Börsengänge (IPOs) an der Londoner Börse planen, ist Stabilität von größter Bedeutung. Die Quelle fügte hinzu, dass mehrere Börsengänge in der Pipeline seien, solche Emissionen aber "in solchen Situationen entgleisen".
Globale Gegenwinde: Inflation und der Iran-Krieg
Das globale wirtschaftliche Umfeld hat sich zusätzlich zu den inländischen Belastungen verschlechtert. Neue Daten des US-amerikanischen Arbeitsministeriums zeigen, dass die Verbraucherpreise in den USA im April im Jahresvergleich um 3,8 % gestiegen sind, mit einem monatlichen Anstieg von 0,6 %. Die Energiepreise stiegen allein im April um 3,8 % und lagen im Jahresvergleich um atemberaubende 17,9 % höher, angetrieben durch explodierende Benzinpreise. Auch die Lebensmittelpreise stiegen im Monatsvergleich um 0,5 % und im Jahresvergleich um 3,2 %.
Diese Preissteigerungen werden durch den anhaltenden Nahostkonflikt angeheizt, der Ende Februar von Ex-Präsident Donald Trump ausgelöst wurde. Trumps jüngste Warnung, dass der Iran-Waffenstillstand "massiv am Tropf hängt", hat den Preis für Rohöl der Sorte Brent auf 107 Dollar pro Barrel in die Höhe getrieben. Dies hat die Inflationsängste neu entfacht und es der US-Notenbank Fed erschwert, die Zinsen bald zu senken, was wiederum die globalen Kreditkosten beeinflusst.
Marktauswirkungen: FTSE 250 schwer getroffen
Die britischen Aktienmärkte sind von den Turbulenzen nicht verschont geblieben. Der FTSE 250 Index, der mittelgroße, auf den Inlandsmarkt ausgerichtete Unternehmen abbildet, fiel am Tag um 1,2 % und verlor 270 Punkte auf 22.536 Punkte. Der FTSE 100 mit seiner größeren internationalen Ausrichtung schnitt etwas besser ab, gab aber ebenfalls um 0,5 % nach.
Jason Hollands, Geschäftsführer bei Bestinvest, erklärte, dass "auf den Inlandsmarkt fokussierte Mid-Cap-Aktien" besonders anfällig seien. Er stellte fest, dass die Kombination aus dem Iran-Krieg und der politischen Krise im Vereinigten Königreich ein doppelter Schlag sei. "Präsident Trumps Warnung... hat die Inflationsängste neu entfacht, indem sie den Preis für Rohöl der Sorte Brent auf 107 Dollar pro Barrel in die Höhe schnellen ließ, was Befürchtungen aufkommen lässt, dass der energiebedingte Preisdruck länger anhalten könnte", so Hollands. "Das Vereinigte Königreich ist besonders anfällig für höhere Energiekosten."
Vergleichende Analyse: 2022 vs. 2026
Obwohl die aktuelle Situation besorgniserregend ist, erwarten die Analysten von UniCredit keine Wiederholung der extremen Marktverwerfungen, die während der kurzen Amtszeit von Liz Truss im September 2022 zu beobachten waren. Damals fiel das Pfund auf ein Rekordtief von 1,0327 US-Dollar gegenüber dem US-Dollar. Die aktuelle Krise hat, so ernst sie auch ist, noch nicht dieses Panikniveau erreicht. UniCredit warnt jedoch, dass ein Rücktritt Starmers zu einem starken Anstieg der langfristigen britischen Renditen führen würde, was dem Pfund Sterling keine Erleichterung bringen, sondern die Sorgen um die öffentlichen Finanzen vertiefen würde.
Wichtige Marktindikatoren auf einen Blick
| Indikator | Aktuelles Niveau | Veränderung |
|---|---|---|
| Rendite 10-jähriger britischer Staatsanleihen | ~4,85 % (gesunken vom 28-Jahres-Hoch) | Leichter Rückgang |
| GBP/USD | ~1,25 $ | Unter Druck |
| FTSE 250 | 22.536 | -1,2 % |
| FTSE 100 | N/A | -0,5 % |
| Brent-Rohöl | 107 $/Barrel | +3,8 % (monatlich) |
| US-VPI (im Jahresvergleich) | 3,8 % | +0,6 % (monatlich) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum sind die Kreditkosten des Vereinigten Königreichs von einem 28-Jahres-Hoch gefallen?
Die Kreditkosten des Vereinigten Königreichs sanken, nachdem Verbündete von Premierminister Keir Starmer ihn öffentlich unterstützten, was einige Befürchtungen einer Führungskrise zerstreute. Diese politische Unterstützung sorgte für ein kurzes Gefühl der Stabilität, was zu einem leichten Rückgang der Gilt-Renditen führte.
Wie wirkt sich der Iran-Krieg auf die Kreditkosten des Vereinigten Königreichs aus?
Der Iran-Konflikt hat die globalen Ölpreise in die Höhe getrieben und die Inflationsängste neu entfacht. Eine höhere Inflation erschwert es den Zentralbanken, die Zinssätze zu senken, was indirekt die Kreditkosten des Staates erhöhen kann. Das Vereinigte Königreich ist besonders anfällig für Energiepreisschocks.
Wie sind die Aussichten für das Pfund und britische Aktien?
Das Pfund bleibt anfällig für weitere Verkäufe, falls die politische Unsicherheit anhält. Auf den Inlandsmarkt fokussierte Aktien im FTSE 250 sind aufgrund der Kombination aus hohen Energiekosten und einem unsicheren politischen Umfeld besonders exponiert. Analysten erwarten derzeit jedoch keine Wiederholung des Marktcrashs von 2022.
